Lothar Voigtländer wurde am 03.09.1943 im mittelsächsischen Leisnig geboren. Ab seinem 11. Lebensjahr erhielt er seine erste musikalische Prägung als Sängerknabe des Dresdner Kreuzchores unter Rudolf Mauersberger und konnte dort erste kompositorische und dirigentische Versuche unternehmen. Ab 1962 studierte er an der Hochschule für Musik Leipzig Dirigieren bei Rolf Reuter und Komposition bei Fritz Geißler. 1968 startete er sein Berufsleben als Chordirektor und Kapellmeister am Theater der Altmark in Stendal. Kompositionen dieser Zeit führten ihn von 1970 bis 1972 in die Meisterklasse für Komposition an der Akademie der Künste Berlin bei Günter Kochan. Bereits in dieser Zeit entstanden Orchestermusiken, Orchesterlieder, Kantaten, Kammermusik, ein Oratorium sowie Hörspielmusiken.

Seit 1973 initiierte und prägte er zahlreiche Berliner Konzert- und Kammermusikreihen, darunter die „Lange Nacht der elektronischen Klänge“, „Time-Code“ und „Zeit-Klänge“. Ab 1975 widmete er sich intensiv der elektroakustischen Musik, studierte in Bratislava und Budapest und arbeitete in renommierten internationalen Studios und auf Festivals in Bourges, Zürich, Basel, Hilversum, Freiburg und Berlin.

1984 gehörte er zu den Gründern der Gesellschaft für elektroakustische Musik und stand ihr als Vizepräsident vor. Nach der Wende erhielt er 1992 eine Gastprofessur an der Universität Paris VIII. Dort erlebte sein Kammeroratorium „Le temps en cause“ nach Texten von Eugène Guillevic seine Uraufführung.

2001 erhielt er einen Ruf als Professor für Komposition und Leiter einer Meisterklasse an die Hochschule für Musik Dresden, wo er von 2002 bis 2003 außerdem das elektronische Studio der Hochschule leitete. 2002 wurde seine Kammeroper „VISAGES“ nach Texten von Eugène Guillevic im Schlosstheater Rheinsberg uraufgeführt. Zu seinen bedeutendsten Werken der späten Jahre zählen das Oratorium „MenschenZeit“ (2007), „si vis pacem“ für Mezzosopran und Orchester (2010), das als Auftragswerk der Opernfestspiele Bad Hersfeld entstand. 2023 erlebte seine 2. Sinfonie aus den 90er Jahren, „Harfensinfonie“ genannt, ihre Uraufführung im Rahmen der Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik mit dem Orchester der Elbland Philharmonie Sachsen unter Leitung von Ekkehard Klemm und mit Alma Klemm als Solistin.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit engagierte er sich intensiv für das Musikleben und die Interessen der Komponistinnen und Komponisten. Er leitete 1989/90 den DDR-Verband Deutscher Komponisten und Musikwissenschaftler in den Verband Deutscher Komponisten über und betrieb die Vereinigung mit dem westdeutschen und heutigen DKV – Deutscher Komponist:innenverband. Von 1990 bis 1996 stand er dem Berliner Komponistenverband als Vorsitzender vor. Von 2006 bis 2016 war er Mitglied des Aufsichtsrats der GEMA, von 2007 bis 2012 Vizepräsident und von 2012 bis 2013 Präsident des Deutschen Komponistenverbandes. Er war Initiator und Gründer sowie erster Vorsitzender der FEM – Fachgruppe ernste Musik des Komponistenverbandes.

2015 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen, 2016 folgte die Ehrennadel der GEMA – Würdigungen seines langjährigen Wirkens als Komponist, Dirigent, Hochschullehrer und Förderer der zeitgenössischen Musik.

Lothar Voigtländer starb am 04.07.2026 nach langer Krankheit in Berlin. Als Präsident des DKV – Deutscher Komponist:innenverband verneige ich mich vor seinem Leben und Werk.

Alexander Strauch

 

Hier findet man einen Nachruf von Ekkehard Klemm in der nmz.

Foto: © Lothar Voigtländer