Unterstützt vom Förderungs- und Hilfsfonds des DKV —-

Am 13.12.2025, wurde Maria Kalesnikava, belarussische Oppositionsführerin und Aktivistin der Demokratiebewegung in Minsk, nach mehr als fünf Jahren Haft in Belarus freigelassen. Gemeinsam mit ihr kamen Maxim Znak sowie 121 weitere politische Gefangene frei. Ihre Inhaftierung begann am 9.09.2020. Vorgeworfen wurde ihr ein angeblicher Versuch der Machtergreifung, obwohl sie sich ausschließlich mit legalen Mitteln für demokratische Wahlen und einen friedlichen Dialog einsetzte. Umso bedeutender ist es, dass sie diesen Dezember erstmals wieder die Weihnachtszeit mit ihrer Familie, ihren Liebsten und Freunden verbringen konnte.

Neben ihrem politischen Engagement ist Maria Kalesnikava Musikerin und Flötistin. Bis 2020 lebte sie in Stuttgart und war von 2016 bis 2020 Mitglied des Ensembles für Neue Musik TRIO vis-à-vis.

Am 25.01.2026 widmete ihr das TRIO vis-à-vis erneut ein Hommagekonzert mit dem Titel oPRESSIONs im Rahmen der Konzertreihe für Neue Musik „Out of the Box“, im Rathaus Leonberg. Das Programm vereinte Werke des 20. und 21. Jahrhunderts, die „Druck“ als klangliche Spannung und als Symbol von Unterdrückung und Machtmissbrauch thematisierten, darunter Kompositionen von Lachenmann, Aperghis, Crawford und Kuyumcuyan sowie eine Urauffühung von Ramón Gorigoitia, die eine Geschichte rebellischer Frauen aus Südamerika vorstellt. Ergänzt wurde das Konzert durch Bernals Werk „impossible translations #5“, das zensierte Protestaufnahmen gegen die Inhaftierung friedlicher Demonstranten zeigt, bereitgestellt vom Nachrichtenportel TUT.BY, dessen Leitung 2023 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurde.

Mehrfach widmeten wir Maria Kalesnikava Hommagekonzerte, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und diese anzuprangern. Diesmal konnten wir die Anklage in eine Feier verwandeln und ihre Freilassung begehen. Dennoch befinden sich weiterhin zahlreiche unschuldige Menschen und politische Gefangene in Belarus inhaftiert – für sie will Kalesnikava auch künftig weiterkämpfen.

Als Musikensemble ist es uns ein Anliegen, ihren Einsatz für die Demokratie zu würdigen. Wir glauben an die Kraft der Kunst und der Musik, Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch und Unterdrückung sichtbar zu machen. Bereits am 31.10.2024 widmeten wir ihr ein Hommagekonzert und sagten: Möge der Klang unserer Instrumente als Schrei nach deiner Freiheit dienen! Es scheint, dass unser Schrei gehört wurde und Wirkung gezeigt hat. Wir freuen uns unendlich, dass unsere Mascha wieder frei ist. Das war das schönste Weihnachtsgeschenk des vergangenen Jahres!

Wir danken dem Förderungs- und Hilfsfonds des DKV und dem Stuttgarter Kollektiv für aktuelle Musik e.V. für die Förderung des Kompositionsauftrags von  Gorigoitia und der Konzertreihe „Out of the Box“ (Leonberg). Ohne diese Unterstützung wäre das Konzert nicht möglich gewesen.

TRIO vis-à-vis

(Petra Arman, Flöte; Hugo Rannou, Violoncello; Natasha López, Stimme)

Foto: von links nach rechts: Petra Arman, Natasha López und Hugo Rannou

Fotografin: Nikola Lutz