Der Deutsche Komponist:innenverband begrüßt die Stellungnahme des Deutschen Musikrats vom 28. Januar 2026 ausdrücklich.

Der geforderte Paradigmenwechsel hin zu einem 3-Säulen-Modell aus institutioneller, Struktur- und Projektförderung ist überfällig und zentral für faire Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung und nachhaltige künstlerische Entwicklung in der Freien Musikszene.


Stellungnahme des Deutschen Musikrats vom 28. Januar 2026:

Die Musiklandschaft hat einen Wandel erfahren: In der Freien Musikszene haben sich professionelle Organisationsformen etabliert, die über reine Projektlogiken hinausgehen. Beispiele sind freie Ensembles und Orchester, Jazz-Kollektive, Bands, transkulturelle Ensembles, professionelle Vokalensembles und Chöre, ebenso Musikfestivals und freie Musikschulen.

Diese sind geprägt von Agilität und geteilter unternehmerischer Verantwortung. Oftmals übernehmen die Musikschaffenden gemeinsam die künstlerische, unternehmerische und strategische Führung. Gleichzeitig schultern sie das wirtschaftliche Risiko. Sie bereichern das Musikleben mit ihren vielfältigen Angeboten genauso wie staatlich getragene Strukturen.

In der Freien Szene dominiert die Projektförderung, die kurzfristige, klar abgegrenzte und neue Vorhaben in den Fokus stellt. Für ihre Strukturen und Ziele ist dieses Modell als einzige Fördermöglichkeit nicht geeignet. Denn Projektförderung erlaubt in der Regel keine Finanzierung laufender Personal- oder anderer Strukturkosten. Sie greift zu kurz und steht den auf Kontinuität angelegten künstlerischen Entwicklungspotenzialen und Organisationsstrukturen in der Freien Musikszene diametral entgegen.

Es braucht einen Paradigmenwechsel hin zu einem 3-Säulen-Modell, bestehend aus institutioneller Förderung, Strukturförderung und Projektförderung.

Der Deutsche Musikrat fordert von Bund, Ländern und Kommunen:
Ausbau der Förderarchitektur hin zu einem 3-Säulen-Modell,
Entbürokratisierung und Beschleunigung von Förderverfahren, z.B. durch Anwendung der Festbetragsfinanzierung,
Ausbau von existierenden mehrjährigen Fördermöglichkeiten,
Identifikation von Bedarfen im Austausch mit Branchenvertreter:innen und orientiert an Beispielen, wie etwa der Basisförderung Berlin und der Ensembleförderung in Nordrhein-Westfalen und Bremen.

Das Modell der Projektförderung führt nachweislich zu prekären Einkommenssituationen, schlechter sozialer Absicherung und fehlender Vorsorge von selbstständigen Musiker:innen. Es führt zur Verfestigung von prekären Arbeitsbedingungen und struktureller Stagnation der Organisation. Da externes Personal nicht langfristig finanziert werden kann, übernehmen die Musiker:innen zusätzlich zu ihrer künstlerischen Tätigkeit Aufgaben im Bereich Management, Verwaltung, Akquise, Tourneeplanung und Öffentlichkeitsarbeit. Der Großteil dieser Arbeiten erfolgt dabei unentgeltlich.

Wer – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – faire und transparente Vergütungsmodelle entwickeln, die soziale Absicherung von Musiker:innen stärken und auf die besonderen Arbeits- und Lebensbedingungen in der Musikbranche abstimmen möchte, der muss eine differenzierte bedarfsorientierte Förderarchitektur entwickeln, die den strukturellen Entwicklungen in der Freien Musikszene gerecht wird.

Mehrjährige Förderung ist die zentrale Grundlage für soziale Sicherheit, faire Arbeitsbedingungen und künstlerische Qualität. Sie ermöglicht Planungssicherheit, angemessene Bezahlung und Vorsorge, entlastet zugleich die öffentliche Verwaltung und trägt zum Bürokratieabbau bei.