Offener Brief zum Bundeshaushalt 2027 – Musikfonds verlässlich sichern und Entwicklung ermöglichen
Sehr geehrter Herr Kulturstaatsminister Dr. Wolfram Weimer,
sehr geehrte Verantwortliche in Politik und Kultur,
im Zuge der Beratungen zum Bundeshaushalt 2027 bitten wir Sie, die Förderung des Musikfonds e.V. verlässlich zu sichern und den gewachsenen Förderbedarf im weiteren parlamentarischen Verfahren im Blick zu behalten. Angesichts gestiegener Kosten und fairer Honorare sollte dabei auch geprüft werden, ob Spielräume für eine Stärkung des Musikfonds bestehen.
Der Deutsche Komponist:innenverband e.V. (DKV) vertritt mehr als 1.000 Komponierende. Die DEGEM – Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik e.V. fördert elektroakustische Musik und Klangkunst in nationalem und internationalem Rahmen. Die Gesellschaft für Neue Musik e. V. (GNM) ist die deutsche Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM/ISCM). Die drei Verbände gehören zu den sieben Mitgliedsverbänden des Musikfonds e.V. Für den DKV, DEGEM und GNM ist besonders wichtig, dass Förderung bereits dort ansetzt, wo Musik geschaffen und entwickelt wird. Künstlerische und musikautorische Arbeit braucht Zeit, professionelle Arbeitsbedingungen, Möglichkeiten der Erprobung und Aufführung sowie angemessene Honorare.
Der Musikfonds hat sich als wichtiges bundesweites Förderinstrument für die freie aktuelle Musik bewährt. Zugleich ist der Förderbedarf größer als die vorhandenen Möglichkeiten. Produktions-, Personal-, Reise- und Betriebskosten sind gestiegen, gleichzeitig wurden zu Recht bessere Honorarstandards für freischaffende Künstler:innen entwickelt.
Ein nominell stabiler Etat bedeutet unter diesen Bedingungen noch keine reale Stabilisierung der Förderung. Deshalb halten wir neben einer verlässlichen Absicherung auch eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung des Musikfonds für notwendig.
Wir betrachten die Situation des Musikfonds nicht isoliert. Mit Sorge sehen wir auch die vorgesehenen Kürzungen bei anderen wichtigen Bereichen der Musikförderung, insbesondere bei der Initiative Musik, beim Deutschen Musikrat, beim Festivalförderfonds und beim Reeperbahn Festival. Besonders in Hinsicht von in der Gesellschaft diskutierten, auch z.T. rechtspopulistisch angetriebenen Vorstellungen zu Umwälzungen des Kulturlebens in einigen Bundesländern, sollte der Bund bei allen Zuständigkeitsfragen ein stabiler und wichtiger Faktor in der Kulturförderung bleiben. Wir unterstützen die Bemühungen, im parlamentarischen Verfahren auch hier Verbesserungen zu erreichen. Dabei dürfen unterschiedliche Genres, Sparten und Bereiche des Musiklebens nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Zusammengefasst bitten wir Sie daher,
- die Förderung des Musikfonds verlässlich zu sichern,
- gestiegene Kosten und faire Honorare bei seiner weiteren Ausstattung zu berücksichtigen und Möglichkeiten für eine bedarfsgerechte Stärkung zu prüfen,
- zugleich die vorgesehenen Kürzungen in anderen Bereichen der Musikförderung im parlamentarischen Verfahren noch einmal zu überprüfen.
Für einen Austausch stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Strauch (Präsident) für den Vorstand des Deutschen Komponist:innenverbands e.V. (DKV)
Prof. Dr. Nicola Leonard Hein und Prof. Dr. Miriam Akkermann für den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Elektroakustische Musik e.V. (DEGEM)
Prof. Dr. Gordon Kampe, Präsident der Gesellschaft für Neue Musik e. V. (GNM)